Wo gehobelt wird, fällt Käse

Es suchte eins Alfred Nobél,

nach seinem Käsehobel.

Er schrie nach dem Küchengesell:

„Schnell! Find meinen Käsehobel!“

 

Doch Jener- im Garten er stand –

eine Pusteblume zierte die Hand,

ließ die kleinen Schirme schweben.

Er träumte vom schöneren Leben.

 

Seine Hand in der linken Tasche,

betastete Käse-Asche.

Dem Befehl wird er sich verweigern –

Den Hobel bei Ebay versteigern.

 

(Heute habe ich die Etüdenwörter Käsehobel, Pusteblume und versteigern in einem Gedicht mit Käse überbacken. Mehr Variationen wie immer, weil da immer was ist, bei Irgendwas ist Immer.

Und ich habe ein Video gefunden, bei dem Jemand auch keinen Käse bekommt. Viel Spaß!

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Die Sonne

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Als Kind dachte ich, dass im Meer die Sonne wohnt. Die Sonne schickte durch ihre Strahlen die Wellen ans Ufer, die sich dann an meine Füße schmiegten, an meinen Zehen zuppelten und mich ins Meer lockten. Und, wenn ich in die Wellen sprang, dann war dieses Gefühl auf meiner Haut: die Umarmung eines Sonnenstrahls. Der Himmel war der Spiegel der Sonne. Wenn ich hinaufblickte, während ich im Wasser stand, dann suchte ich den Himmel auch nach meinem Spiegelbild ab. Manchmal fand ich mich in einer Wolke. Dann winkte ich meinem Wolkenspiegelbild zu, das zum Mensch geworden war. Wenn es Zeit für mich wurde zu gehen, dann wusste ich, dass die Sonne sich auch bald schlafen legen würde. Ich stellte mir vor, dass das Meer dann genau so glatt werden würde, wie der Himmel. Und dann machte die Sonne ihr Licht aus und nur noch ihr weißes Nachtlämpchen spiegelte sich im Himmel, damit die Menschen, die sich verlaufen hatten, nach Hause fanden.

 

(Wieder eine abc-etüde. Dieses Mal habe ich die Worte Mensch, Kind und Meer in 10 Sätzen untergebracht. Alle Etüden werden, wie immer, bei Christiane  Irgendwas ist Immer gesammelt.)

Dieser Schlawiner

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Visuals: Ludwig Zeidler

Dieser Schlawiner. Er fixierte ihr Gesicht und grinste breit. „Wirst du etwa rot?“ Sie betrachtete ihre Turnschuhe, die sich hell vom Asphalt abhoben. Die Wärme ihres Gesichts schien Richtung Haaransatz zu wandern und im Chor der Erinnerung hörte sie einen Kanon: Tomátensalát, Tómaténsalat, Tómatensálat, Tomátensalaaaat…

„Du bist doch total verknallt“, hörte sie ihn sagen. Während ihre Augen dem Weg des Schnürsenkels folgten, dachte sie an Tomaten, bzw. Paradeiser und an leuchtende Radieschen.

„Ach, so ein Kinkerlieschen“, stammelte sie. Er hörte nicht mehr auf zu lachen, äffte sie nach: „KinkerLIESCHEN? Das heißt Kinkerlitzchen!“

 

(und wieder ein Beitrag zu den abc.etüden! Aufgabe, wie gehabt, 3 Wörter in einer Geschichte, die aus 10 Zeilen besteht, unterzubringen. Wörter dieser heute endenden Woche: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen. Gesammelt werden die Etüden auf dem Blog von Christiane – Irgendwas ist Immer.)

abc. etüden Teil 3

ABC. Etüden Teil 3

Das erste Mal sah ich dich beim Leichenschmaus. Ich hatte den Nachbarn, der im Alter von 93 Jahren leise in einer anderen Welt verschwand, kaum gekannt. Wie du mit ihm verbunden warst, wusste ich nicht. Dein kleiner Finger, der sich von der Kaffeetasse abspreizte, während du sie an deine Lippen hobst, zeigte auf mich. Ich stellte mir vor, wie dieser Finger meinen Mund berührte. Mein Nacken kribbelte, die feinen Haare meiner Arme stellten sich auf, von Frühlingsgefühlen durchweht. Gerne hätte ich deinen aufmüpfigen Eckzahn mit meiner Zunge berührt. Hätte dich an die Hand genommen und hinter mir her gezogen. In meine Straße gezogen, in meine Wohnung und in mein Badezimmer. Und mein voyeuristischer Duschvorhang würde später Geschichten erzählen von vertrauter und von feuchter, fremder Haut.

 

 

 

Wenn dir’s zu romantisch war:

Lies, was Außerdem geschah.

 

Die Barbara

Mag es Makaberer.

Ihr klirrend, frostiges Kalkül,

das nennt sie heut‘ Frühlingsgefühl.

Tief erfreut von ihrem Drang,

erstickt sie ihn im Duschvorhang.

Im Vorhang trägt sie ihn hinaus

Und freut sich auf den Leichenschmaus.

 

Das sind die Folge-ABC.Etüden! Aufgabe war es die Wörter „Frühlingsgefühle“ „Duschvorhang“ und „Leichenschmaus“ in einen Zusammenhang innerhalb eines Textes zu setzen, der aus nur 10 Sätzen bestehen darf. Die Idee kommt vom Blog Textstaub, die Wörter vom Blog Ruhrköpfe und gesammelt werden die Beiträge auf dem Blog Irgendwas ist immer. Spielregeln lassen sich ebenfalls auf dem Blog Irgendwas ist Immer nachlesen.

 

An der Bushaltestelle

Der Regen verringerte die Distanz der Kleidung zu ihrer Haut. Nicht weit von ihr entfernt stand ein Mann. Mit seinen Augen verschlang er ihren Oberkörper. In seinem Blick lagen Frühlingsgefühle. Sie wünschte sich einen Duschvorhang, der zwischen ihnen im Wind flattern würde. Ihre Zigarette schob den Uhrzeiger an. Mit jedem Zug versuchte sie die Erinnerung an vergangene Tage zu töten. Das Ein- und Ausatmen wurde so zum Leichenschmaus. Als sie die Glut erdrückte, fiel eine Träne hinterher. Sie verlor sich im Regen.

 

 

Und wieder ein Text zu den ABC-Etüden! Diesmal waren die vorgegebenen Wörter, welche innerhalb von 10 Sätzen ihr Zuhause finden sollten: Duschvorhang, Frühlingsgefühle und Leichenschmaus. Aufbewahrt werden die Etüden bei Christiane von Irgendwas ist Immer. Die Worte zur Etüde spendete Annette vom Blog Ruhrköpfe und gestartet mit dieser Serie wurde auf dem Blog Textstaub.

Unter den Treppenstufen

Unter den Treppenstufen hatte sie als Kind ihr Versteck. Dort sprach sie mit den Gestalten, die sich durch die Erhebungen der Raufasertapete formten. Die Gestalten hatten ihre eigene Sprache. Diese ähnelte der Sprache des Holzes, dem Knarzen der Stufen, wenn jemand sie betrat. Ein dumpfes, herankommendes Poltern bedeutete Gefahr. Ein federndes Knacksen hingegen, hieß „Komm! Komm mit, es gibt Etwas zu entdecken.“ Wenn sie das federnde Knacksen hörte, verließ sie ihr Versteck und schlich sich, wie ein Raubtier, die Stiegen hinauf. Manchmal hüpfte sie auch, von Stufe zu Stufe. Dem wohligen Geruch von Milchkaffee entgegen.

 

 

Dieser kleine Text ist durch den Aufruf von Christiane auf ihrem Blog Irgendwas ist Immer entstanden. Er gehört zu den abc.etüden in der Textschreibwoche 15/17. Aufgabe war es die Worte Treppenstufen, Milchkaffee und Komm! in einem Text zu verwenden, der nur genau 10 Sätze lang sein darf.

Die fiese Luise Teil 3: Prokrastination

Die fiese Luise Teil 3 – Prokrastination

Die fiese Luise

ist zu dem Zweck

der Prokrastination

auf ein Schiff gefloh’n.

 

Auf dem Schiffsdeck

sitz sie: Ihr Versteck!

In der Hand einen Hut,

gefüllt mit einer Seeluftbrise:

dem Duft nach frisch gewehtem Mut.

 

Und jetzt schreibt diese

be-briste Luise

ein Akrostichon

zur Prokrastination.

 

Und sie vergisst das Fluchen,

fragt sich selbst, ohne Scham:

„Na, wie wär‘ es denn Madame?

Gleich ein Stück Butterkuchen?“

 

 

Dieses Gedicht ist zum Geschichtengenerator von Jutta Reichelt entstanden. Es war mir eine Freude, wieder etwas über Luise, die ältere Dame mit Hut, schreiben zu können! Sie ist mir in diesem Jahr bereits ans Herz gewachsen!

Wer mag: Hier:  Die fiese Luise Teil 1

und hier: Die fiese Luise Teil 2

Ich wünsche allen einen schönen Jahresabschluss und ein noch schöneres Jahr 2017!

 

In Stimmung schreiben/ Schreiben mit Musik

Wer nutzt sie? Wer versucht sich mit der Hilfe von Musik in eine bestimmte Stimmung zu versetzen? Welche Musik ist dafür hilfreich? Ich kenne es, dass mir zu etwas Geschriebenem ein Lied im Nachhinein einfällt. Jedoch kenne ich es auch, dass ich ein Lied höre und dazu beginne zu schreiben.

2 Beispiele für Textanfänge, die ich parallel zur Musik zu schreiben begann:

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und brannte rücksichtslos die Erde nieder. Der schwere, verstaubt-holzige Absatz seines Stiefels drückte den Zigarettenstummel tief in sie hinein. Ein gurgelnd, schnalzend-schmatzendes Geräusch ging der zähflüssigen weiß-grünlichen Masse voran, die sich von seinem Mund aus neben dem Stummel abseilte.

 

2. Wie die Lichter einer Discokugel tanzten meine Bilder von dir um mich herum. Sie schmückten meinen Boden, meine Wände, meinen Himmel. Und, wenn ich zu dir aufschaute, dann tanzte dein Licht in meinem Gesicht. Bis zu dem Tag, an dem der Strom ausfiel.

Es gibt auch Musik, zu der ich niemals schreiben könnte. Das betrifft jegliche deutsch-sprachige Musik. Hier kann ich nicht anders, als auf den Text der Musik zu hören, was mich vom Schreiben ablenkt. Im Englischen muss die Musik die Eigenschaft haben, in den Hintergrund treten zu können, oder eben so entschieden eine Stimmung in mir auslösen, dass ich zunächst die Musik lauter drehen muss, um das ganze Lied aufmerksam hören- und danach, im Anschluss schreiben zu können. Geeignet ist auch Musik, bei der ich die Sprache nicht verstehe.

Wer schreibt auch gerne zu Musik, oder möchte es probieren? Falls sich Jemand findet, könnte zu einem Lied geschrieben werden. Es wäre sicher spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Assoziationen zu einem gleichen Lied sind?

Ich freue mich über Kommentare, Vorschläge, Anregungen …

Abschied bei den Kaninchen

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Quelle: Pixabay.com, Couleur, LINK

Es war ihr letzter Tag. Sechs Wochen lang hatte sie als Aushilfe an einer Ganztagsgrundschule gearbeitet. Jetzt stand sie dort im Gruppenraum und sah den Kindern beim Toben zu. Dann fiel ihr Blick auf Erkan. Irgendetwas war anders. Was war hier los? Sie sah, wie Erkan seinen Schuh auszog und mit diesem auf einen anderen Jungen der 2.Klasse losstürmte. Dieses Verhalten hatte sie von ihm bisher nicht gesehen. Er schien seine Umwelt nicht mehr wahrzunehmen. „Erkan!“ sagte sie laut. „Erkan!“ Keine Reaktion. „ERKAN!!!“ Mitten im Lauf blieb Erkan stehen und schien für den Bruchteil einer Sekunde einzufrieren. Dann ließ er die Hand mit seinem Schuh in ihr sinken. Er starrte zu ihr hinüber und sein ganzer Körper sank zu Boden. Die großen braunen Augen füllten sich mit Tränen. Er schlug die Hände vor sein Gesicht. Im Raum war es plötzlich ganz still. Nur sein Schluchzen war zu hören. Sie ging zu ihm und kniete sich vor ihm hin. „Du hast dich ganz schön erschrocken, hmmh?“ Sein Schluchzen wurde lauter. „Du … Du machst das nicht.“ Ein erneutes Schluchzen ließ seinen kleinen Körper wieder erzittern. Sie blickte ihn abwartend an. „Du machst das nicht“, wiederholte er. Dann nahm er seine Hände vom Gesicht. „Die … die anderen Erwachsenen, die schreien, aber du …“ Erneut glitzerten seine Augen. Eine dicke Träne lief seine linke Wange hinab. „Aber du hast das noch nie gemacht! Du machst das nicht!“ „Erkan, ich wollte nicht, dass du Jemanden schlägst. Du warst so wütend, dass du nicht gehört hast, dass ich dich gerufen habe.“ Er schaute ihr in die Augen. Sie erwiderte den Blick. „Erkan, ich habe auch noch nie gesehen, dass du Jemanden geschlagen hast. Was hat dich denn so wütend gemacht?“ Er schaute zu Boden, als ob er dort eine Antwort suchen würde. Jedoch schien er nichts zu finden. Als er sie erneut ansah, war sein Blick verletzlich und unsicher. Hilflos zuckte er mit den Schultern und schwieg. Das war ein echtes Schweigen. Ein Schweigen, das aus fehlenden Worten entsteht. Ihr kurzes Blinzeln signalisierte ihm, dass es ok ist und sie nicht weiter fragen würde. Er lief aus dem Raum.

Später hatte sie Pausenaufsicht auf dem Schulhof. Die Schülerinnen und Schüler schienen sich alle selbst zu beschäftigen. Sie mochte diesen Augenblick, indem sie durchatmen konnte. Leise hatte sich Erkan ihr von der Seite genähert und stellte sich neben sie. „Weißt du“, sagte er, „ich habe Filinchen dabei. Die mag ich, weil die so knusprig sind. Das ist so ein Knäckebrot, weißt du. Und Kamillentee. Meine Mama hat mir das mitgegeben, weil ich heute Morgen ein wenig Bauchschmerzen hatte.“ Sie schaute ihn an und lächelte. Kurz überlegte sie, was sie zu ihm sagen könnte. Ihr war, als ob er etwas Wichtiges sagen wollte und diesen Moment wollte sie nicht zerstören. Etwas unsicher fragte sie: „Und wie geht es deinem Bauch jetzt?“ „Wieder besser“, sagte er leise. Dann trommelte er mit seinen Fingern an dem Geländer, an dem sie lehnte. Seine Augen wanderten über den Schulhof und den daran anschließenden Schulgarten, während er weitersprach. „Bevor du da warst – nein, noch davor- da war einmal eine Lehrerin, die mochte ich ganz gerne. In der ersten Klasse. Und dann ist die weggezogen.“ Plötzlich blieb sein Blick hinten im Schulgarten hängen. Dort hinten war ein Kaninchenstall. „Ich war lange nicht mehr bei den Kaninchen, die muss ich besuchen gehen. Kommst du mit?“ Erkan streckte ihr seine Hand entgegen. Sie ergriff die Hand. „Ich komme sehr gerne mit.“

 

(und wieder eine Geschichte zu Juttas Geschichtengenerator. Vorgaben diesmal: „Schulhof“ und Kommst du mit?“ fragt Erkan )

Die fiese Luise – heute anders

 

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Quelle: pixabay.com, waldryano, LINK

 

Sie sitzt – innerlich im Kontakt,

mit dem Beginn, dem ersten Akt.

Muffiges Kostüm, die Hose zwackt:

Aufregung hinterlässt sie nackt.

 

Ihr Hut verdeckt die unbewegte Miene,

dort hinten, in der Theaterkantine.

Noch fünfzehn Minuten bis zum Beginn.

Der Sekundenzeiger kriecht dahin.

 

Zwei Tische weiter, der junge Star:

mit geradem Rücken sitzt er da,

in freudiger Erwartung auf die Spiele –

Applaus und Ruhm sind seine Ziele.

 

Die Anderen hängen an seinem Mund.

Überzeugt von sich tut er jetzt kund:

„Klar! Natürlich kann ich das!“

Er, der zuletzt den Text vergaß …

 

Sie: In der Rolle der fiesen Luise:

das zwackende Kostüm trägt eben diese.

Doch in ihr drin, ist sie viel zarter.

Fakt ist: Wir alle spiel’n Theater.

 

(Zum Geschichtengenerator Nr. 14 von Jutta Reichelt. Vorgegeben: „Luise (ältere Dame mit Hut)“, „Kantine“ und „Natürlich kann ich das!“ Zur FIESEN LUISE habe ich bereits vor einiger Zeit etwas geschrieben.)