Der Raum zwischen schwarz und weiß

 

 

Und in manchen Augenblicken,

bin ich am Ausgangspunkt zurück.

Hinter mir: das Hamsterrad –

still, wie ein verlassenes Karussell.

Und die Träume von gestern

gehen im Heute verloren.

Mit dem Blick zurück

sitzt mir die Zukunft im Nacken.

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Die Wirklichkeit

Ich mag es, wie still die Welt plötzlich ist, wenn ich aus dem Kino komme. Wenn ein Film, wie die Dokumentation über Beuys, mir so viel realer erscheint, als die Wirklichkeit.  Die Wirklichkeit mit ihren effektheischenden Bildern.

Zugzeug/ Zieh-Zeit/Fragment

(gerade in alten Notizen wieder entdeckt)

Knisternde Servietten mit Nahrung und Preisen bedruckt. Klumpen in der Schokolade, die ich sonst nie trinke, sondern nur jetzt in der Hoffnung, dass sie mich wärmt. Fehlender Schlaf hat mir eine Schicht der Haut abgezogen. Die Zeit ist so weit rumgekommen, dass das Zugfenster zum Fernseher des Wageninneren geworden ist. Das Fernsehprogramm wechselt gewagt vom Speise- zum Bierwagen.

Allen Reisenden einen schönen Sommer und allen Anderen sowieso 🙂

Wo gehobelt wird, fällt Käse

Es suchte eins Alfred Nobél,

nach seinem Käsehobel.

Er schrie nach dem Küchengesell:

„Schnell! Find meinen Käsehobel!“

 

Doch Jener- im Garten er stand –

eine Pusteblume zierte die Hand,

ließ die kleinen Schirme schweben.

Er träumte vom schöneren Leben.

 

Seine Hand in der linken Tasche,

betastete Käse-Asche.

Dem Befehl wird er sich verweigern –

Den Hobel bei Ebay versteigern.

 

(Heute habe ich die Etüdenwörter Käsehobel, Pusteblume und versteigern in einem Gedicht mit Käse überbacken. Mehr Variationen wie immer, weil da immer was ist, bei Irgendwas ist Immer.

Und ich habe ein Video gefunden, bei dem Jemand auch keinen Käse bekommt. Viel Spaß!

Die Sonne

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Als Kind dachte ich, dass im Meer die Sonne wohnt. Die Sonne schickte durch ihre Strahlen die Wellen ans Ufer, die sich dann an meine Füße schmiegten, an meinen Zehen zuppelten und mich ins Meer lockten. Und, wenn ich in die Wellen sprang, dann war dieses Gefühl auf meiner Haut: die Umarmung eines Sonnenstrahls. Der Himmel war der Spiegel der Sonne. Wenn ich hinaufblickte, während ich im Wasser stand, dann suchte ich den Himmel auch nach meinem Spiegelbild ab. Manchmal fand ich mich in einer Wolke. Dann winkte ich meinem Wolkenspiegelbild zu, das zum Mensch geworden war. Wenn es Zeit für mich wurde zu gehen, dann wusste ich, dass die Sonne sich auch bald schlafen legen würde. Ich stellte mir vor, dass das Meer dann genau so glatt werden würde, wie der Himmel. Und dann machte die Sonne ihr Licht aus und nur noch ihr weißes Nachtlämpchen spiegelte sich im Himmel, damit die Menschen, die sich verlaufen hatten, nach Hause fanden.

 

(Wieder eine abc-etüde. Dieses Mal habe ich die Worte Mensch, Kind und Meer in 10 Sätzen untergebracht. Alle Etüden werden, wie immer, bei Christiane  Irgendwas ist Immer gesammelt.)

Dieser Schlawiner

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Visuals: Ludwig Zeidler

Dieser Schlawiner. Er fixierte ihr Gesicht und grinste breit. „Wirst du etwa rot?“ Sie betrachtete ihre Turnschuhe, die sich hell vom Asphalt abhoben. Die Wärme ihres Gesichts schien Richtung Haaransatz zu wandern und im Chor der Erinnerung hörte sie einen Kanon: Tomátensalát, Tómaténsalat, Tómatensálat, Tomátensalaaaat…

„Du bist doch total verknallt“, hörte sie ihn sagen. Während ihre Augen dem Weg des Schnürsenkels folgten, dachte sie an Tomaten, bzw. Paradeiser und an leuchtende Radieschen.

„Ach, so ein Kinkerlieschen“, stammelte sie. Er hörte nicht mehr auf zu lachen, äffte sie nach: „KinkerLIESCHEN? Das heißt Kinkerlitzchen!“

 

(und wieder ein Beitrag zu den abc.etüden! Aufgabe, wie gehabt, 3 Wörter in einer Geschichte, die aus 10 Zeilen besteht, unterzubringen. Wörter dieser heute endenden Woche: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen. Gesammelt werden die Etüden auf dem Blog von Christiane – Irgendwas ist Immer.)

Da ist der Wurm drin

 

 

An manchen Tagen fällt was hin:

Es findet sich ein Wurm darin.

Dann bin ich meistens sehr empört,

weil sich ein Wurm echt nicht gehört!

 

Doch was mich heut am Meisten stört:

– Und das ist wirklich unerhört -,

dass dieser Wurm im Ding da drin,

ich heute leider selber bin.

abc. etüden Teil 3

ABC. Etüden Teil 3

Das erste Mal sah ich dich beim Leichenschmaus. Ich hatte den Nachbarn, der im Alter von 93 Jahren leise in einer anderen Welt verschwand, kaum gekannt. Wie du mit ihm verbunden warst, wusste ich nicht. Dein kleiner Finger, der sich von der Kaffeetasse abspreizte, während du sie an deine Lippen hobst, zeigte auf mich. Ich stellte mir vor, wie dieser Finger meinen Mund berührte. Mein Nacken kribbelte, die feinen Haare meiner Arme stellten sich auf, von Frühlingsgefühlen durchweht. Gerne hätte ich deinen aufmüpfigen Eckzahn mit meiner Zunge berührt. Hätte dich an die Hand genommen und hinter mir her gezogen. In meine Straße gezogen, in meine Wohnung und in mein Badezimmer. Und mein voyeuristischer Duschvorhang würde später Geschichten erzählen von vertrauter und von feuchter, fremder Haut.

 

 

 

Wenn dir’s zu romantisch war:

Lies, was Außerdem geschah.

 

Die Barbara

Mag es Makaberer.

Ihr klirrend, frostiges Kalkül,

das nennt sie heut‘ Frühlingsgefühl.

Tief erfreut von ihrem Drang,

erstickt sie ihn im Duschvorhang.

Im Vorhang trägt sie ihn hinaus

Und freut sich auf den Leichenschmaus.

 

Das sind die Folge-ABC.Etüden! Aufgabe war es die Wörter „Frühlingsgefühle“ „Duschvorhang“ und „Leichenschmaus“ in einen Zusammenhang innerhalb eines Textes zu setzen, der aus nur 10 Sätzen bestehen darf. Die Idee kommt vom Blog Textstaub, die Wörter vom Blog Ruhrköpfe und gesammelt werden die Beiträge auf dem Blog Irgendwas ist immer. Spielregeln lassen sich ebenfalls auf dem Blog Irgendwas ist Immer nachlesen.

 

An der Bushaltestelle

Der Regen verringerte die Distanz der Kleidung zu ihrer Haut. Nicht weit von ihr entfernt stand ein Mann. Mit seinen Augen verschlang er ihren Oberkörper. In seinem Blick lagen Frühlingsgefühle. Sie wünschte sich einen Duschvorhang, der zwischen ihnen im Wind flattern würde. Ihre Zigarette schob den Uhrzeiger an. Mit jedem Zug versuchte sie die Erinnerung an vergangene Tage zu töten. Das Ein- und Ausatmen wurde so zum Leichenschmaus. Als sie die Glut erdrückte, fiel eine Träne hinterher. Sie verlor sich im Regen.

 

 

Und wieder ein Text zu den ABC-Etüden! Diesmal waren die vorgegebenen Wörter, welche innerhalb von 10 Sätzen ihr Zuhause finden sollten: Duschvorhang, Frühlingsgefühle und Leichenschmaus. Aufbewahrt werden die Etüden bei Christiane von Irgendwas ist Immer. Die Worte zur Etüde spendete Annette vom Blog Ruhrköpfe und gestartet mit dieser Serie wurde auf dem Blog Textstaub.