Da ist der Wurm drin

 

 

An manchen Tagen fällt was hin:

Es findet sich ein Wurm darin.

Dann bin ich meistens sehr empört,

weil sich ein Wurm echt nicht gehört!

 

Doch was mich heut am Meisten stört:

– Und das ist wirklich unerhört -,

dass dieser Wurm im Ding da drin,

ich heute leider selber bin.

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abc. etüden Teil 3

ABC. Etüden Teil 3

Das erste Mal sah ich dich beim Leichenschmaus. Ich hatte den Nachbarn, der im Alter von 93 Jahren leise in einer anderen Welt verschwand, kaum gekannt. Wie du mit ihm verbunden warst, wusste ich nicht. Dein kleiner Finger, der sich von der Kaffeetasse abspreizte, während du sie an deine Lippen hobst, zeigte auf mich. Ich stellte mir vor, wie dieser Finger meinen Mund berührte. Mein Nacken kribbelte, die feinen Haare meiner Arme stellten sich auf, von Frühlingsgefühlen durchweht. Gerne hätte ich deinen aufmüpfigen Eckzahn mit meiner Zunge berührt. Hätte dich an die Hand genommen und hinter mir her gezogen. In meine Straße gezogen, in meine Wohnung und in mein Badezimmer. Und mein voyeuristischer Duschvorhang würde später Geschichten erzählen von vertrauter und von feuchter, fremder Haut.

 

 

 

Wenn dir’s zu romantisch war:

Lies, was Außerdem geschah.

 

Die Barbara

Mag es Makaberer.

Ihr klirrend, frostiges Kalkül,

das nennt sie heut‘ Frühlingsgefühl.

Tief erfreut von ihrem Drang,

erstickt sie ihn im Duschvorhang.

Im Vorhang trägt sie ihn hinaus

Und freut sich auf den Leichenschmaus.

 

Das sind die Folge-ABC.Etüden! Aufgabe war es die Wörter „Frühlingsgefühle“ „Duschvorhang“ und „Leichenschmaus“ in einen Zusammenhang innerhalb eines Textes zu setzen, der aus nur 10 Sätzen bestehen darf. Die Idee kommt vom Blog Textstaub, die Wörter vom Blog Ruhrköpfe und gesammelt werden die Beiträge auf dem Blog Irgendwas ist immer. Spielregeln lassen sich ebenfalls auf dem Blog Irgendwas ist Immer nachlesen.

 

An der Bushaltestelle

Der Regen verringerte die Distanz der Kleidung zu ihrer Haut. Nicht weit von ihr entfernt stand ein Mann. Mit seinen Augen verschlang er ihren Oberkörper. In seinem Blick lagen Frühlingsgefühle. Sie wünschte sich einen Duschvorhang, der zwischen ihnen im Wind flattern würde. Ihre Zigarette schob den Uhrzeiger an. Mit jedem Zug versuchte sie die Erinnerung an vergangene Tage zu töten. Das Ein- und Ausatmen wurde so zum Leichenschmaus. Als sie die Glut erdrückte, fiel eine Träne hinterher. Sie verlor sich im Regen.

 

 

Und wieder ein Text zu den ABC-Etüden! Diesmal waren die vorgegebenen Wörter, welche innerhalb von 10 Sätzen ihr Zuhause finden sollten: Duschvorhang, Frühlingsgefühle und Leichenschmaus. Aufbewahrt werden die Etüden bei Christiane von Irgendwas ist Immer. Die Worte zur Etüde spendete Annette vom Blog Ruhrköpfe und gestartet mit dieser Serie wurde auf dem Blog Textstaub.

Unter den Treppenstufen

Unter den Treppenstufen hatte sie als Kind ihr Versteck. Dort sprach sie mit den Gestalten, die sich durch die Erhebungen der Raufasertapete formten. Die Gestalten hatten ihre eigene Sprache. Diese ähnelte der Sprache des Holzes, dem Knarzen der Stufen, wenn jemand sie betrat. Ein dumpfes, herankommendes Poltern bedeutete Gefahr. Ein federndes Knacksen hingegen, hieß „Komm! Komm mit, es gibt Etwas zu entdecken.“ Wenn sie das federnde Knacksen hörte, verließ sie ihr Versteck und schlich sich, wie ein Raubtier, die Stiegen hinauf. Manchmal hüpfte sie auch, von Stufe zu Stufe. Dem wohligen Geruch von Milchkaffee entgegen.

 

 

Dieser kleine Text ist durch den Aufruf von Christiane auf ihrem Blog Irgendwas ist Immer entstanden. Er gehört zu den abc.etüden in der Textschreibwoche 15/17. Aufgabe war es die Worte Treppenstufen, Milchkaffee und Komm! in einem Text zu verwenden, der nur genau 10 Sätze lang sein darf.