Die Bedeutung und der Klang der Worte

Mein Foto zeigt das Buchcover der Autobiographie von Sartre

 

Wie wird eine Person erlebt, die als unbeugsam beschrieben wird?

Welche Bilder tauchen zu einer Person auf, die stur ist?

Wer latscht den Fluss lang?

Und wer folgt dem Wasserlauf?

Wie wird ein Platz verstanden, der irgendwie komisch ist?

Wie wirkt jener Ort, wenn er sonderbar zu sein scheint?

Wer lehnt an der Fassade?

Wer steht an der Wand?

Wer ist Türsteher im Puff?

Wer ist Portier im Freudenhaus?

Wie erlebe ich die Endlosigkeit eines Korridors?

Wie erlebe ich einen langen Flur?

Wer betritt den Eingangsbereich

und wer das Entrée?

Ich beschäftige mich gerade mit den Worten als Erlebnis.

Wenn ich in Wortbilder eintauche, die Peter Bieri (Pascal Mercier), Zsuzsa Bank oder Robert Seethaler gemalt haben, dann greife ich im Anschluss nicht nach Juli Zeh – außer ich verfolge die Absicht schockgefroren zu werden.

Momentan bin ich auf der Suche nach zauberhaften Sprachflüssen. Wer hat einen Tipp für mich?

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29 Gedanken zu “Die Bedeutung und der Klang der Worte

      1. Ich denke, dass das Selbstverständnis ein anderes ist, ob man Türsteher im Puff oder Portier im Freudenhaus ist. Bordell klingt natürlich noch besser, da könnte man schon fast einen Butler hinstellen. Die Tätigkeiten bleiben ja aber immer die gleichen

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        1. ja, genau! Und durch die unterschedlichen Bezeichnungen, ist es beim Schreiben schon möglich einen Charakter darzustellen- das ist ja das Spannende! Ich hatte dich jetzt so verstanden, dass es unterschiedliche Berufe sind- der Türsteher und der Portier. Das könnte ja auch sein, wenn der Portier z.B. die Schlüssel f die Räume verteilt oder die Gäste zum Zimmer geleitet, während der Türsteher nur den Eingang bewacht – deshalb bin ich nachdenklich geworden…dann wäre ja auch die Frage, vor welchem Eingang der Türsteher wohl stehen mag- vor dem Zimmereingang oder dem des Bordells? Ein Butler hätte für mich eher die gleiche Bedeutung, in diesem Etablissement, wie ein Portier oder in einem nicht so schönen Wort ein Hausmeister. Hausmeister, Butler und Portier machen noch kleinere Dienstleistungen, während der Türsteher nur die Tür bewacht. (hab ich gerade nachgelesen- ich lerne ja nie aus -lach) und dann wäre da noch ein Concierge- aber den Unterschied muss ich auch erst nachschauen…

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  1. lass mich zauberhaft(en) in atemberaubenden Sprachfluss ändern, und ich kann Dir Julie Otsuka.“The Buddha in the Attic“ ans Herz legen, wenn Du es nicht im englischen Original lesen magst, sollte es auch in der deutschen Übersetzung funktionieren. Viele Grüße!

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    1. Liebe Lilly Todenhaupt, ich habe es gelesen. Da ich mich in der Bücherei angemeldet hatte, schaute ich dort nach. Leider hatten sie es nur auf deutsch: Wovon wir träumten.
      Im Vorhinein hatte ich nichts über das Buch gelesen – gar nichts. Der romantische Titel und das Buchcover waren der Anlass, dass ich es mit zu einer OP ins Krankenhaus nahm. Erst dort bemerkte ich, wovon es wirklich handelt und verschob diese Lektüre auf die Zeit, in der ich wieder Zuhause war. Gestern habe ich es beendet.
      Der Schreibstil gefällt mir. Eine tolle Idee aus der Wir-Perspektive zu schreiben! Es ist ein stilles Buch, es ist ein eindringliches Buch, ein bewegendes und erschütterndes Buch. Es ist ein Buch von sehr vielen Menschen und von keiner einzelnen Person und es ist faszinierend, dass aus dieser Perspektive ein Buch geschrieben werden kann.
      Danke für deinen Tipp! Viele Grüße!

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  2. Ich müsste jetzt eigentlich für die von mir geliebte Herta Müller oder James Joyce plädieren. Die erste hat zwar harte Themen, weil immer Diktatur, aber man kann sich in die Sprache fallen lassen (wenn man reinkommt), der zweite… tja, andere lieben Proust. Und ob du es zauberhaft findest kann ich nicht beurteilen, es ist speziell, vielleicht Gertrude Stein. Kann dir aber nichts spezifisches empfehlen.

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    1. Danke für die Vorschläge! Ich gebe zu, dass ich Proust jetzt nicht so mag, da mich diese über eine Seite gezogenen Schachtelsätze ein wenig anstrengen…aber Herta Müller- ja! James Joyce und Gertrude Stein- da habe ich gerade nichts vor Augen und müsste mal nachschauen- bin sehr dankbar für Tipps- besonders von weiblichen Autorinnen- gebe zu mehr männliche zu kennen. Grüße!

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      1. Mit Proust komme ich auch nicht klar, tendiere eindeutig zu Joyce. Fang nicht unbedingt mit dem „Ulysses“ an, der ist ähnlich wuchtig wie das Proustsche Hauptwerk. Ich lese eigentlich kaum weibliche Autorinnen, hat sich irgendwann so ergeben. Stein kann nerven, weil die sich dauernd wiederholt (ist bei ihr ein Stilmittel), längere Texte von ihr halte ich nicht durch. Wo du Fluss gut siehst – als Stilmittel Gedankenstrom – ist auch Elfriede Jelinek, aber da ist nichts zauberhaftes (du könntest versuchen „Neid“ auf ihrer Homepage anzulesen). Was mir noch einfällt ist Virginia Woolf „Ein eigenes Zimmer“, brschäftigt sich mit schreibenden Frauen. In die Romane kam ich nicht so gut rein.

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        1. oh Elfriede Jelinek. Ich verstehe sehr gut, was du mit Gedankenstrom meinst. Nur das Wort „zauberhaft“- das stimmt, das bringe ich nicht mit ihr in Verbindung. Ich bin vor ein paar Jahren mal im Winter alleine nach Wien gereist. Meine Reiselektüre war- passender kann die vermutlich nicht gewählt werden: die Winterreise von Jelinek. Und gelesen habe ich dieses Buch teilweise auch im Cafe Jelinek. In der Stadt selbst habe ich leider die Erfarung gemacht, dass sich mehrere Wiener*innen überhaupt mal so gar nicht gefreut haben, wenn sie an meiner Sprache feststellten, dass ich aus Deutschland komme. Sich willkommen fühlen, ist etwas anderes. Und auf dem Weg zu diesem Cafe kam ich, wenn ich recht erinnere, an einem sehr großen Hotelgebäude vorbei, das an einer Ecke stand und Hotel Kummer hieß. An einem grauen, tristen Wintertag in Wien alleine unterwegs sein und Jelinek lesen- das ist fast eine Superlative der Endzeitstimmung. In diesem Cafe habe ich dann auch passend zu dieser Stimmung ein ziemlich melancholisches Fragment geschrieben…ähnlich anhand von Assoziationsketten …

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          1. Die Erfahrung gegenüber Deutschen habe ich auch gemacht (gibt es aber auch anders rum, also als Österreicher unter Deutschen). Wir waren in meiner Kindheit häufig den Sommer über bei Klagenfurt (kleiner Ort in der Nähe) bei einer Freundin meiner Oma.. Da war es okay, weil die selber Deutsche war und wir gehörten zur „Sippschaft“, außerdem sprechen wir als Bayern nicht so anders als die, kaufen zum Beispiel keine Brötchen sondern Semmeln, aber in Salzburg ist mir das auch schon passiert.

            Hier, ich hab noch einen Soundtrack für dich: https://www.youtube.com/watch?v=3DuCIGvsbMA

            Passt schön atmosphärisch und dürfte, wenn ich nicht irre ein Jahr jünger als ich und eins älter als du sein. Ein Leser bei mir schwört auf Ultravox.

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            1. Ja, dass es auch andersherum möglich ist, also sich die Österreicher in Deutschland nicht willkommen fühlen, kann ich mir auch gut vorstellen. Es ist ja immer davon abhängig, welche Personen man trifft. Nichts gilt für alle Menschen- ich wollte auf keinen Fall eine Schublade aufmachen damit. Es war nur meine Erfahrung dort, die mich etwas irritierte. Mir ist das Herkunftsland der Menschen nicht wichtig, sondern der Mensch an sich. Und ich schreibe hier ja auch mit Menschen aus Wien- und ich finde diese Stadt auch sehr schön!! Und es gibt auch Menschen aus Wien, die ich sehr mag. Wie gesagt, es war nur auf diese Situation im Urlaub dort bezogen. Das Lied ist super, danke! Mag ich gern 🙂

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            2. Ich habe es auch nicht als Schublade aufgefasst. Jedenfalls nicht als eine von dir geöffnete. Es gibt die eben, aber das gibt es ja auch innerhalb von Ländern selbst. Und die Unfreundlichkeit der Wiener Servicekräfte soll (ich weiß es nicht) legendär sein. Dann liegt natürlich in der Sprechweise etwas, das für Leute, die das nicht gewohnt sind etwas, das ein bisschen arrogant klingen kann, das kann man als Deutscher vielleicht auch missverstehen. Mir ist immer wieder begegnet, dass Deutsche, auch Bayern, sagen die seien so arrogant durch diese Sprache, aber das ist glaube ich einfach so und nicht extra Arroganz.

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            3. Das ist gut, dass du es nicht als Schublade aufgefasst hast- an meiner Antwort ist ja, denke ich, zu merken, dass ich genau das vermeiden wollte- danke für die Rückmeldung, dass es auch nicht so rübergekommen ist 😉

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      2. Von Gertrude Stein würde ich Dir empfehlen „Three Lives“ (zu deutsch: Drei Leben), das sind drei auf Steins eigene Art sehr interessant gestaltete Frauenporträts, die aber insgesamt auch noch als Erzählungen durchgehen. Meine Lieblingsporträt ist „Melanctha“. Sehr nett zu lesen, wenn auch nicht ganz so charakteristisch für Steins Sprachphilosophie ist die „Autobiographie von Alice B. Toklas“, geschrieben aus der Perspektive von Alice B. Toklas, Steins Lebensgefährtin, aber selbstverständlich von Gertie höchstpersönlich verfasst. Von Alice gibt es nur ein Kochbuch (da ist die Rollenverteilung sehr klar), das aber auch sehr hübsch ist – für Nicht-Veganer etc.
        In diesem Sinne: a rose is a rose is a rose
        Grüße!

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        1. Ganz lieben Dank für die weiteren Empfehlungen! Das ist ja spannend, dass dir Gertrude Stein auch einfällt. Ich kenne sie nur vom Namen, sonst gar nicht. Es jetzt hier gleich zweimal empfohlen zu bekommen, macht mich natürlich neugierig!
          Das Kochbuch- ähm…ich gehöre zu Jenen, die kein Fleisch essen – deshalb ist das wohl eher nichts für mich 😉
          Liebe Grüße!

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  3. Hast Du denn schon die Glasglocke gelesen? Den Roman möchte ich Dir sehr ans Herz legen. Anfangs dachte ich: Oh je, und soll ich? (Weil ich ja um ihre Geschichte wußte). Dann fing ich an zu lesen und war sehr angetan und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ganz toll erzählt! Ganz wunderbare Wortbilder! Kein Wunder, bei einem Roman einer Lyrikerin. Sie weiß, wie es geht. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!

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