Die Bedeutung und der Klang der Worte

Mein Foto zeigt das Buchcover der Autobiographie von Sartre

 

Wie wird eine Person erlebt, die als unbeugsam beschrieben wird?

Welche Bilder tauchen zu einer Person auf, die stur ist?

Wer latscht den Fluss lang?

Und wer folgt dem Wasserlauf?

Wie wird ein Platz verstanden, der irgendwie komisch ist?

Wie wirkt jener Ort, wenn er sonderbar zu sein scheint?

Wer lehnt an der Fassade?

Wer steht an der Wand?

Wer ist Türsteher im Puff?

Wer ist Portier im Freudenhaus?

Wie erlebe ich die Endlosigkeit eines Korridors?

Wie erlebe ich einen langen Flur?

Wer betritt den Eingangsbereich

und wer das Entrée?

Ich beschäftige mich gerade mit den Worten als Erlebnis.

Wenn ich in Wortbilder eintauche, die Peter Bieri (Pascal Mercier), Zsuzsa Bank oder Robert Seethaler gemalt haben, dann greife ich im Anschluss nicht nach Juli Zeh – außer ich verfolge die Absicht schockgefroren zu werden.

Momentan bin ich auf der Suche nach zauberhaften Sprachflüssen. Wer hat einen Tipp für mich?

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Fern und nah

Fern und nah

An manchen Tagen träumte ich schon,

in eng getakteten Alltagszeiten,

von der Natur – sitzend auf dem Balkon –

von Ferne und von Heiterkeiten.

 

Die innere Spannung und mein Gerase,

ließen mich mein Dasein verfluchen.

Doch die Ferne setzte sich mir vor die Nase:

die Natur ist flexibel, sie kam mich besuchen.

 

(Ich wünsche allen eine wunderschönen Sommer – egal, wo und wie ihr ihn verbringt!)

Organisation ist alles – Es lebe das Chaos

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vom Haus aus Papier

Plötzlich stört der Duschvorhang und wird für oll befunden. Plötzlich stören die zwei Flecken an der Wand – ich könnte sie streichen. Und der Wasserhahn in der Küche könnte auch einen Ortswechsel vertragen.

Zwei freie Tage: Ein großer Haufen Schreibkram zu erledigen. Die Wichtigkeit zur Handwerkerin zu werden, lässt sich jedoch nicht aus meinem Kopf verbannen. Aber, hallo? Ich werde jetzt doch nicht wegen zwei Flecken die ganze Wohnung streichen! Dann komme ich ja sonst zu nix mehr. Außerdem sieht außer mir kein Mensch die Flecken und ich bin gegen die Farbdämpfe allergisch. Aber ein Kompromiss muss her. In mir meckert es weiter. Ok, der Duschvorhang ist wirklich oll, und wenn ich schon nach Schweden fahre, dann kann ich dort auch einen Wasserhahn kaufen.

Der Plan: morgens hin. Dann ist es dort auch noch leer. Aber an den einzigen zwei freien Tagen früh aufstehen? Auf keinen Fall. Schlaf ist Psychohygiene, ausgedehntes Duschen (und das Abschiednehmen vom alten Duschvorhang dabei), Frühstück, E-Mails checken, Espresso in der Sonne auf dem Balkon trinken, ebenfalls. Danach erwische ich mich beim Wäsche-Zusammenlegen. Was ich angefangen habe, kann ich ja nicht einfach wieder aufhören?! Der Morgenbegriff ist dehnbar. Kurz vor 13.00 Uhr trudele ich im blau-gelben Gebäude ein. Außer mir sind hier alle Frauen schwanger. Um mich anzupassen, nutze ich den Muffin-Hosen-Effekt (besser bekannt als Röhrenjeans). Ich pumpe durch meinen Atem den Teigrand in der unteren Bauchnabelregion auf. Zur Untermalung lege ich meine Hand darauf.

Als ich eine gelb-blaue Frau nach dem Treffpunkt für Duschvorhänge frage, mustert sie mich irritiert. Ihr Blick bleibt nicht an meinem Bauchnabel hängen, nein. Er wandert seitlich in meine Hüfte. Ertappt errötend lasse ich die Luft raus und werde glücklicherweise in die Richtung der Duschvorhänge katapultiert. Keiner von ihnen löst Begeisterung aus. Mir fällt ein, dass ich den letzten auch gar nicht in Schweden gekauft hatte. Einen angemessenen Nachfolger zu finden, wird schwer. Ich entscheide mich für ein schlichtes Modell, das mich an Gardinen in Wohnzimmern erinnert. Den aufkommenden Spießer-Kommentar boxe ich in die Ecke zu den Klobürsten. An der Kasse finde ich den Vorhang leider bereits selbst öde. Egal. Ich drehe jetzt nicht noch einmal um.

Auf dem Nachhauseweg erreicht mich eine SMS: Heyhey! Was machst du heute? Es ist so schönes Wetter! Ich muss nicht erst in den Himmel schauen, um zu wissen, dass diese Aussage stimmt. In den letzten Tagen hat es nur geregnet und heute wirkt der Himmel wie ein Schubladen-Klischee-Strampler für Babys, die später mal zu Männern heranwachsen.

Verdammt. Was soll ich nur tun? Fluchen hilft auch nicht weiter. Erst einmal Zuhause einen Espresso aufsetzen und einen Blogeintrag schreiben, der überhaupt nicht vorgesehen war. Und danach werfe ich den alten Duschvorhang in die Waschmaschine. Vielleicht ist er ja noch zu retten.