Wir verändern uns mit jedem neuen Tag

Sie läuft neben mir her. Ihr Blick wandert unruhig über die Straßen, hin zu den Straßenschildern, die sie laut vorliest. Überhaupt liest sie auf dem Weg zurück zum Hotel alles, was ihre Augen erfassen. „Kiosk Schmitz, mit tz. Änderungsschneiderei. Kneipe am Eck.“ Ich mache sie nervös. Das spüre ich. Früher habe ich aufkommende Lücken häufig mit Plauderei gefüllt. Heute verhalte ich mich anders. Mein Schweigen hält sie nur schwerlich aus. Wir haben uns so viel angesehen. Der Ausstellungsbesuch hat mich eintauchen lassen in die dargestellten Gedanken anderer Menschen. Jetzt benötige ich eine Auszeit bei mir selbst. Die Welten der anderen, die Fülle der Einzigartigkeiten, des Bewegenden, das sich in mich drückte und tief in mir einen Stempel hinterließ, beschäftigen mich. Ich prüfe, was ich bei mir behalten und was ich lieber wegspülen, lieber auswaschen möchte. Habe ich darauf Einfluss?  Das, was wir aufnehmen, verändert uns das? Gibt es nun nie wieder einen Weg zu mir zurück, zu Derjenigen, die ich noch am Morgen gewesen bin? Wenn das wirklich so ist – und es erscheint mir logisch – dann verändern wir uns jeden Tag.

 

(Dies sind meine Gedanken zum Geschichtengenerator von Jutta Reichelt und dem vorgegebenen Thema: „Ab heute wird alles anders.“)

Die Fotos sind von mir.

 

 

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18 Gedanken zu “Wir verändern uns mit jedem neuen Tag

  1. Man merkt so schön diesen „Nachhall“ durch das Schweigen und auch die Kippe auf der der Kontakt der beiden daher stehen könnte, weil die eine Person sich quasi selbst „beruhigen“ muss durch dieses laute Vorlesen.

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  2. Vielleicht nehmen wir Veränderungen nur an,- als Bereicherung -. Wir balancieren aus. Verspricht es uns einen Vorteil, sind wir bereit. Meiner Auffassung nach entstehen Veränderungen erst nach einem langen, langen Leidensdruck, oder äußere Einflüsse (Tod, Krieg, Katastrophen).
    Wenn mir erlaubt wird, in eine andere Welt zu treten, erweitert sich meine Sicht. Ich bleibe der, oder die ich bin, da bin ich mir sicher. Durch Kenntnis und Erkenntnis erweitert sich mein Spielfeld zu agieren. Ich nenne es Evolution. Aber immer noch bin ich: „Ich“.
    LG
    Monika

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    1. Das ist spannend, was du schreibst. Aber ist es nicht auch alleine die erweiterte Sicht des ICH, welches dieses verändert hat? Was ist ein ICH? Ist es nicht ein fließender Prozess? Und- du schreibst: wir sind zur Veränderung bereit, wenn sie uns einen Vorteil verspricht. Das kann ich gut nachvollziehen- hier ist es eine bewusste Entscheidung, etwas in sich aufzunehmen- es überhaupt hineinzulassen. Doch, wenn ich beispielsweise in eine andere Stadt reise: vorher habe ich eine Vorstellung von einer Stadt. Hinterher habe ich zu ihr konkrete Bilder. Diese Bilder kann ich ja nicht einfach wieder löschen- sie sind dann da. Das ist eine Erweiterung meiner inneren Bilderwelt. In diesem Fall glaube ich nicht, dass ich eine bewusste Entscheidung darüber treffen kann, ob ich diese Bilder haben möchte, oder nicht? Lieben Gruß! Pauline

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  3. Also nehmen wir mal an, das ICH ist ein Haus (ein Körper) mit einem eigenen Innenleben. Es kann sich nach außen verändern, einen anderen Anstrich bekommen, oder sich eben im Inneren verändern, anders gestaltet werden- neue Funktionen bekommen. Trotzdem bleibt das Haus ein Haus. (das würde dazu passen, dass du schreibst, dass das ICH immer das ICH bleibt. Nun frage ich mich aber, ob das ICH ein Name ist für das Haus oder eher ein Begriff, welcher die innere Gestaltung betrifft?

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  4. Da habe ich etwas angerichtet! Fragen, über Fragen und so geht es das ganze Leben und manchmal ist ein Leben sehr lang. Das Leben endet, aber die Fragen hören nicht auf und die Vielzahl an Antworten auch nicht.

    Wenn ich in eine andere Stadt / Umgebung fahre / reise. Dann habe ich Vorkenntnisse / Ahnung und oder eine Erwartung. Mit anderen Worten, ich nehme schon etwas mit. Etwas woran ich anknüpfen kann. Je nach Stimmungslage und dann verankern sich die Bilder / Geschehnisse in meinem Gedächtnis. Alles passiert unbewusst. Wir tun es. Ganz besonders, wenn wir überrascht werden und keine Erwartung haben.

    Das „Ich“, ich glaube es ist schon im Mutterleib mein eigen, denn wie oft höre ich von den unterschiedlichen Empfindungen werdender Mütter bezüglich, ihrer in ihrem Bauch strampelnden Nachwuchses. Sie beschreiben den jungen Charakter ihres Kindes und unterstützen ihn fortan, damit er sich festigen kann.

    Ob das „Ich“ ein Begriff ist. Möglich! Mehr eine Definitiv für eine Struktur des Denken und Handelns.

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  5. Liebe Monika, ich finde diesen Austausch spannend. Ich denke auch, dass Einiges bereits angelegt ist. Beweisen kann ich das nicht und ich verfüge auch über kein Wissen diesbezüglich!! Meine Frage ist auch, wie so ein Wissen entsteht- denn ist dieses Wissen nicht immer verbunden mit subjektiven Erfahrungen? Ich denke, dass die erfahrene Erziehung auch eine große Rolle spielt. Da denke ich dann, dass es möglich sein kann- wenn es schon möglich war eine Person als Kind durch Erziehung zu formen- dass eine weitere „Formung“- sprich Veränderung auch im Nachhinein möglich ist. Nur wird es dann schwieriger, da gewisse Bahnen und Strukturen, die einem Handeln vorausgehen, einen prägen. Das heißt, wenn ich immer ähnlich handele, dann gehe ich einen ähnlichen Weg, welcher bereits ausgestaltet wurde und sich deshalb leichter begehbar macht. Diesen Weg kenne ich- für ihn hat das Gehirn bereits viele Verknüpfungen angelegt. Versuche ich jetzt einen neuen Weg einzuschlagen, muss ich ihn erst anlegen (bildlich gesprochen ihn freischaufeln, asphaltieren, etc.) Dies bedeutet einiges an Arbeit und schnell wird es mir zu anstrengend und deshalb resigniere ich und nehme doch wieder den altbekannten Weg. Aber es ist möglich, so denke ich, neue Wege zu bauen. Du hast Recht, wenn du schreibst, dass es viele Fragen und viele Antworten dafür gibt. Woran man glauben möchte, lässt sich doch nur für jeden selbst beantworten? Falls es die Chance auf eine Veränderung der eigenen Struktur gibt- werden diese Veränderungen dann eher Jene erreichen, die daran glauben veränderbar zu sein?

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  6. Nein…,um die letzte Frage aus meiner Sicht zu beantworten. Ich denke, wir fügen uns nachweislich „Wissen“ zu.

    Das erweitert unser Handeln, unser Denken. „Wir ändern uns nicht“, ich glaube nicht daran und aus meiner Erfahrung im Umgang mit Menschen weiß ich, dass es nur Selbsttäuschung ist. Das „Ich“ in mir wird immer rebellieren, wenn es sich beugen muss, aus welchem Grund auch immer.
    Eins davon ist „Liebe, Hunger, Gewalt, Armut“. Will ich mir das antun, „Nein“. Also, meiner Persönlichkeitsstruktur angemessen werde ich Handlungsaktiv, oder nicht.
    Mein „Ich“ bleibt, nur die äußeren Umstände „können“ sich verändern, durch mein Wissen um die Dinge.

    Verzeih mir, wenn ich mich nicht besser erklären kann.

    LG. Monika

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