Dunkel war’s, der Mond schien helle

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Quelle: Pixabay, musthaqsms, LINK

 

(Zur Aufmunterung für mich und all jene, die auch ein wenig Aufmunterung gebrauchen können, teile ich dieses mündlich überlieferte Gedicht aus dem Spreewald.)

 

Dunkel war’s, der Mond schien helle,

schneebedeckt die grüne Flur,

als ein D-Zug, blitzesschnelle,

langsam um die Ecke fuhr.

 

Drinnen saßen stehend Leute,

schweigend ins Gespräch vertieft,

als ein totgeschoss‘ner Hase

über’m Sandberg Schlittschuh lief.

 

Und auf einer roten Banke,

die blau angestrichen war,

saß ein blondgelockter Knabe

mit kohlrabenschwarzem Haar.

 

Neben ihm ne olle Schrulle,

die grad zählte siebzehn Jahr,

in der Hand ne Butterstulle,

die mit Schmalz bestrichen war.

 

Droben auf dem Apfelbaume,

der die süßen Birnen trug,

hing des Frühlings letzte Pflaume

und auch Nüsse noch genug.

 

Und der Zug raste im Trabe,

rückwärts einen Berg hinauf.

Von unten zog ein alter Rabe

gerade eine Turmuhr auf.

 

Ringsrum herrschte tiefes Schweigen

und mit fürchterlichem Krach,

spielten in des Grases Zweigen,

zwei Kamele lautlos Schach.

 

Und zwei Fische liefen munter

durch das blaue Kornfeld hin.

Endlich ging die Sonne unter

und ein grauer Tag erschien.

 

Von der regennassen Straße

wirbelte der Staub empor.

Und ein Junge bei der Hitze

mächtig an den Ohren fror.

 

Beide Hände in den Taschen,

hielt er sich die Augen zu,

denn er konnt‘ es nicht ertragen,

wie nach Veilchen roch die Kuh.

 

Holder Engel, süßer Bengel,

mein geliebtes Trampeltier:

du hast Augen wie Sardellen.

Alle Ochsen gleichen dir.

 

Trübe Blicke, Augen klar,

süße Ohren, wie Korallen,

lange Strähnen, kurzes Haar,

Schuppen, die vom Kopfe fallen.

 

Diese traurige Geschichte,

war so lustig, wie noch nie,

deshalb heißt’s auf Wiedersehen,

bleibe bei mir, oh Marie!

 

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe,

als er auf dem Nachttopf saß.

Mittags in der Morgenröte

und die Abendzeitung las.

 

 

 

(kennt ihr andere Varianten dieses Gedichts? Ich denke, dass es verschiedene Visionen davon gibt …)

 

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8 Gedanken zu “Dunkel war’s, der Mond schien helle

  1. Ja, bei uns ist es ein Auto, welches da um eine runde Ecke fuhr, und sitzend stehende Leichen, die schweigend ins Gespräch getieft sind. Anbei ist nach dem totgeschnoss´nen Hasen schon schluss. Aber sehr erheiternd, wie es sich bei euch weiterreimt 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Echt? Das schaue ich gleich mal nach … wir mussten das auch lernen. Die Version war aber eine andere, die ich nicht mehr gefunden habe. Ich muss zugeben, dass ich Gedichte, warum auch immer, gerne auswendig gelernt habe …(vielleicht um mich davor zu drücken mathematische Formeln zu lernen, oder so) Gruß, Pauline

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