Achtung! Jetzt wird’s langweilig!

Was ist überhaupt Langeweile? Mit dieser Frage (unter anderen Fragen) beschäftigt sich der/das Blog von Susanne Plume: Leergut und Langeweile. Was ist Langeweile? Was ist Muße? Diese Fragen interessieren mich sehr. Ich wollte meine Gedanken dazu nicht auf ihre Seite schreiben, weil ich die Form eines Kommentars gesprengt hätte, mit meinen Überlegungen. Ich folge ihren Einträgen mit vielen Gefühlen, aber eben nicht mit Langeweile. Die Verweise auf wissenschaftliche Belege, regen mich oft auf. Im positiven Sinne. Manchmal denke ich, dass ich Wissenschaften an sich, nicht leiden kann. Das ist immer dann der Fall, wenn ich mich in ihnen nicht wiederfinde. Ist es überhaupt möglich an Hand der Gehirnforschung das Phänomen der Langeweile zu erklären? Prägen nicht die unterschiedlichsten Erlebnisse das individuelle Gehirn und machen deshalb ein gleichgetaktetes Erleben unmöglich? Und eine weitere Überlegung: Sind Wissenschaftler nicht oft jene Menschen, die sich über den Forschungsstand dieser Zeit aufregen und daraus die Motivation entwickeln, neues Wissen zu schaffen?

IMG_2663
Fragen, Fragen, Fragen

Zurück zu Susannes Blog. Seitdem ich mich mit ihrem Blog befasse, beobachte ich mich in Phasen der Langeweile genauer.

Ich muss gestehen, dass ich selten Phasen erlebe, die ich als Langeweile bezeichnen würde. Zwar kommt mein Alltag schon mal langweilig daher, aber die Verbindung dieses Wortes zu meinem Erleben, stellt sich selten ein. Meist tauchen in Zeiten der vermeintlichen Entspannung sehr viele unterschiedliche Gedanken in meinem Kopf auf. Und was geschieht jetzt? Jetzt, wo ich diesen „Langeweile-Phasen“ mehr Beachtung schenke?

Verändert sich nicht die Langeweile (was auch immer dieses Wort bedeuten mag) alleine dadurch, dass ihr Aufmerksamkeit geschenkt wird und man sie beobachtet? Ein Paradox?

Welchen vermeintlichen Langeweile-Phasen ich bisher Aufmerksamkeit schenkte:

Die erste Phase, war eine Art des angenehmen, warmen Nichtstuns, die meine Gedanken fröhlich in ein Cabrio setzte, in dem ich neue Orte entdeckte. Oder auch alte Orte, aber an diesen Orten kleine Dinge, die ich zuvor nicht sah. Diese inspirierende Langeweile – trägt sie den Zweitnamen der Muße? Ehrlich gesagt verbinde ich mit dem Wort Muße, eine eher langsame, nahezu faule, genüssliche Zeit. Das entspricht jedoch nicht meinem Erleben im Cabrio, in dem ich meine Gedanken als quirlig, sprunghaft, neugierig und beflügelt (naja, auf das Cabrio bezogen eher „in Geschwindigkeit“) wahrnahm. Diese Phase war wie eine schöpferische Quelle, die mich ins Schreiben, Fotografieren, etc. brachte. Wie nennt sich das? Inspiration? Inkubation?

Die nächste lange Weile, die mich überkam, war eine ganz andere. Plötzlich wusste ich, was Susanne meinte, als sie schrieb, dass in der Langeweile ein Zuviel der Aktivität entsteht: mir ging zu viel durch den Kopf. Aber in diesem Fall nicht in Form von Bildern, nein, in Form von Emotionen. Genauer gesagt in diesem, einen Fall, von einem Bündel an Emotionen, die für mich im Nachhinein betrachtet, die Vorstufe von Wut darstellen. Gereiztheit, Hektik, Genervt-Sein. Ich erlebte eine innere Hektik, obwohl im Außen nichts passierte. Gleichzeitig die Frage: Was macht mich gerade sauer? Das Gefühl war vorhanden, doch der Verstand konnte es (noch) nicht fassen. Das Gefühl hat es sich dann noch für den Rest des Tages im Hintergrund, auf meiner inneren Couch gemütlich gemacht. Bis zum Abend. Irgendwie schien es sich nachts, als ich schlief, dann neu zu sortieren. Direkt nach dem Aufwachen, erlebte ich eine ausgesprochene Klarheit. Damit einhergehend: Wut.

Wut ist ein großartiger Motor, weil ich durch die Klarheit plötzlich weiß, wie ich handeln- und mit wem ich ins Gespräch gehen möchte. Kennt das Jemand auch so, das beim Aufstehen eine Klarheit und eine Wut vorhanden sind? Inwiefern ist eine „lange Weile“ der Katalysator für Handlung? In meinen beiden, bisher näher beobachteten Phasen, folgte etwas auf die Langeweile…

Langeweile ist echt aufregend…

Advertisements

19 Gedanken zu “Achtung! Jetzt wird’s langweilig!

  1. Wie verändert sich Langeweile, wenn wir ihr Beachtung schenken – spannend! Charakterisieren wir sie vielleicht erst danach als Langeweile? Wenn ja: In welchem Stadium befinden wir uns davor? Ich verfolge sowohl dich, liebes Hausauspapier, als auch Susanne gespannt bei euren Überlegungen!

    Gefällt 1 Person

    1. oh danke, liebe Nina! Das sind spannende Fragen. Mich interessiert da besonders die Frage: „in welchem Stadium befinden wir uns davor?“ Die Phasen, die ich als langweilig definiert und beoachtet habe- da geschah dies währenddessen…aber du hast recht, häufig geschieht das ja auch im Nachhinein, dass der Gedanke aufkommt: das war irgendwie langweilig…

      Gefällt 1 Person

  2. Das sieht nach gelebter Achtsamkeit aus, Hauspapier. Die Definitionen, also das Benennen (wo fängt die Langeweile an, wann heißt sie so, wie nenne ich das Stadium davor et. ) ist dabei das, was unser Verstand anscheinend braucht. Für unser Gleichgewicht und Wohlbefinden ist das bewusste Wahrnehmen und Durchleben der emotionalen Prozesse wichtig, meine ich. Die Langeweile führt ins Jetzt. Das ist ihre große Qualität. Und darum schmerzt der Verlust?

    Gefällt 2 Personen

    1. Eine gute Anregung! Die Langeweile führt ins Jetzt …ja, das tut sie auch, wenn Prozesse durchgelebt werden, führen sie ins Jetzt. Klasse. Aber Inspiration führt in die Zukunft …ok, aber trotzdem bleibe ich mit dem Jetzt verbunden, wenn ich Aktionen oder eine Szenen im Kopf plane? Und, wenn ich mich gedanklich mit Vergangenem befasse, dann mit dem Ziel wieder ins Jetzt zu kommen. Der Verlust schmerzt also, weil der Prozess des Schmerzes gebraucht wird, um wieder ins Jetzt zu kommen. Würde dieser Schmerz nicht da sein, wäre die Gefahr zu groß, dass jemand in der Vergangenheit weiterlebt? Und in der Vergangenheit ist man zur Einsamkeit verdammt, da der Rest der Welt woanders lebt. Liebes Einfachsein, der Satz ist großartig: „Langeweile führt ins Jetzt.“

      Gefällt mir

  3. Den Gedanken „Der Verlust schmerzt also, weil der Prozess des Schmerzes gebraucht wird, um wieder ins Jetzt zu kommen.“ nehme ich dankbar in meinen Tag, liebes Hauspapier, und lasse ihn weiterwirken… Ich frage mich, in welchen Situationen wir ihn überprüfen und nutzen können. In der Trauerbegleitung kann er tröstlich sein, bei Liebeskummer, bei ganz alltäglichen Enttäuschungen … Da hast Du etwas Kostbares entdeckt!

    Gefällt 1 Person

  4. Wie man Schmerz nutzen kann? Vielleicht sogar in dem Moment in dem der Schmerz empfunden wird? Obwohl ich mich frage, inwieweit das immer geht. Letztendlich denke ich trotzdem, dass man froh sein kann einen Schmerz zu empfinden. Wäre dies nicht so, wäre man in einer gefährlichen Lage. (bei körperlichem Schmerz wird das ja offensichtlicher) Wenn ich bemerke, dass es mir schlecht geht,(ohne das für mich negativ zu bewerten) dann kann das dazu führen, dass ich mir erlaube, meine Gefühle ernst zu nehmen, was ja etwas Tolles ist. Das ist die Achtsamkeit für den Moment. Manchmal ists ja auch so, dass man Erklärungen für Situationen im Nachhinein erfindet, um diese zu erleichtern. Das ist dann vermutlich weniger sinnvoll, sondern eher ein Abwehrmechanismus.
    Zurück zum Achtsamkeitsgedanken: da frage ich mich wieder: ist es überhaupt möglich eine Situation bewusst wahrzunehmen, ohne diese Situation genau durch dieses bewusste Wahrnehmen zu verändern? Oder als eigene Antwort darauf: wahrscheinlich ist das nicht möglich, aber warum sollte man die Situation nicht selbst verändern wollen?

    Gefällt mir

  5. Ich kenne Langeweile nur aus Erzählungen… 🙂 Ganz im Ernst, fühle/spüre ich sehr selten, aber wie von dir oben und in den Kommentaren beschrieben, ist es natürlich viel komplizierter. Wenn ich wirklich (so oft wie möglich) im Moment lebe und alles um mich und in mir wahrnehme, gibt es nicht nur nie Langeweile, sondern das Bewusstsein und Verwachsensein mit sich und allem wächst bis in die Baumspitzen.
    Je mehr man hetzt und stresst und sich selbst unter Druck setzt, desto weniger fühlt und (er)lebt man und (nicht nur) deshalb hat das süsse Nichtstun einen ungemeinen Wert.
    wünsch dir eine schöne Woche!
    Dagmar

    Gefällt 1 Person

  6. Hm. Ich spät dran und nun steht hier so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und womit. Ein Gefühl, dass ich dauernd habe. Weil die Welt sich immer schneller dreht, so kommt es mir vor. Wie lange kann der Mond sie noch halten?

    Zum Thema:
    Zu Wissenschaft und Langeweile habe ich zuhause schon ein bisschen was geschrieben. Zeit und Langeweile scheint das Thema dieser Seite geworden zu sein. In welcher Zeit befinde ich mich, wenn ich mich langweile und in welche Zeit werde ich geworfen? Ich nehme es so wahr, wie ich es auch hier gefunden habe. Die Langeweile selbst ist – so glaube ich – ein Gefühl „zwischen den Zeiten“. Wenn die eine Zeit nicht mehr ist und die andere noch nicht. In meinem Leben kommt ein Gefühl von Langeweile auf, wenn ich von einem sehr schnellen Lebensmodus in einen langsamen Modus übergehe, etwa von der Arbeit in den Ruheabend. Und wenn ich die Langeweile als solche wahrnehme oder gar beobachte, hört sie auf. Das scheint mir daran zu liegen, dass die Wahrnehmung beziehungsweise die Achtsamkeit ins Jetzt führt (wie einfachsein es beschreibt). Die Diskrepanz zwischen den Zeiten hört somit auf und die Langeweile gibt einer anderen Langsamkeit Raum, die – diese Erfahrung kenne ich auch – wie das Auge des Taifuns, eine stürmische Geschwindigkeit (Cabrio) hervorbringen kann. Hm. Dabei belasse ich es erstmal und schreibe zuhause weiter zum Thema. Bis dahin…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s