Wenn sich die Synapse(l)n verkapseln

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Bilderrätsel vom Haus aus Papier: Welches Wort setzt sich hier zusammen? Auflösung am Ende des Blogeintrags.

Ab jetzt gilt´s. Dies waren die Worte des Dozenten. Von Januar bis Ende März ist es die Aufgabe der Student*innen des Biografischen und kreativen Schreibens, einmal pro Woche einen Blogeintrag zu erstellen. Ich startete bereits etwas früher und habe spielerisch und mit Freude begonnen Jenes zu posten, was mir durch den Kopf wanderte. Lustvoll und wertfrei. Doch dann kamen diese Worte: Ab jetzt gilt`s. Das Ende der Freiheit. Der Neujahrsbeitrag war schnell geschrieben. Aber dann …

Es bauten sich in den letzten Tagen aus Zweifeln und Druck Straßen in meine Gedankenwelt. Auf der Suche nach Hilfe habe ich andere Blogs durchstöbert. Auf dem Blog von Jutta Reichelt habe ich den Artikel 5 Fragen zu deinem Talent gefunden, der mir dabei half, diese Straßen wieder zu verlassen und inspiriert vom Gelesenen, folgenden Text zu verfassen:

Als ich das Haus aus Papier auf den Mond geschossen habe

Die meiste Zeit mag ich das Haus aus Papier. Wenn ich dort bin, gibt es viele Möglichkeiten, so viele Blätter, die ich beschreiben kann. Es gibt Stifte in den buntesten Formen und Farben. Meistens schreibe ich jedoch mit meinem Füller. Ich mag es, wie er sanft über das Papier gleitet und einen blauen Fluss hinterlässt. Die Worte fließen und gurgeln, sprudeln oder tröpfeln aus ihm, direkt auf das Papier. Es entstehen Landschaften in royalblau. Manchmal entsteht ein vereinzelter Teich, eine Pfütze oder auch nur ein Regentropfen, der am Blatt aus Papier hinabperlt.

Doch plötzlich frage ich mich, wozu diese Landschaften entstehen sollen? Die Reinheit eines weißen Blatts strahlt eine Unschuld und eine ganz eigene Form von Eleganz aus. Beschmutze ich dieses Blatt nicht? Wie komme ich darauf, dass ich es gestalten kann? Es gibt unzählige, bekannte, wunderschöne Reiseziele. Wer benötigt die Spiegelung einer Pfütze? Auf einmal blendet das Weiß des Papiers mit seinem beißenden, grellen Licht so sehr, dass meine Augen brennen und die Tinte im Füller augenblicklich vertrocknet. Er fällt mir aus der Hand und verschwindet kullernd unter einer Seite. Ich sinke auf den Boden und starre ins weiße Nichts. Das Nichts starrt zurück. Lautlos, tonlos, penetrant. Die Wände des Hauses aus Papier scheinen auf mich zuzukommen. Das Atmen schmerzt. Ich bin unfähig mich zu bewegen. Ich schreie. Gedanklich schieße ich das Haus aus Papier auf den Mond.

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Doch da das Haus aus Papier ein Teil meiner Gedanken ist, finde auch ich mich dort oben wieder und werde überrascht: Auf dem Mond sind die gleichen Menschen, nein, dieselben Menschen, wie jene, die mir auf der Erde begegnet sind. Jede scheint sich selbst, eine andere Person oder eine Idee bereits einmal hierher verbannt zu haben. Das ist ein tröstlicher Gedanke. Ich betrachte mein Haus aus Papier von einer neuen Seite.

Alles Weitere steht auf einem anderen Blatt.

(Auflösung des Bilderrätsels: Schreibblockade)

 

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11 Gedanken zu “Wenn sich die Synapse(l)n verkapseln

  1. Wenn danach so schöne Fotos entstehen wie dieses, dann schieße das Haus aus Papier ruhig öfter sonst wohin und folge ihm. Aber zeige uns bitte bis mindestens Ende März seine Schätze- und Bilderrätsel! Mehr davon!

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  2. Ich wollt das Bilderrätsel lösen aber dann war ich schon am Ende deines Mondblogs angekommen… Hätte auch sein können: Schreibblock Ade! Ich schreibe besser auf liniertem Papier 🙂 bei mir will zur Zeit auch so gar nichts rauskommen, dann les ich halt ein bischen…

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  3. Freue mich sehr, dass mein Post Bewegung in die Sache gebracht hat und du dann so eine tolle Lösung gefunden hast! Mir gefällt die Vorstellung, auf dem Mond all den Ideen zu begegnen, die „dahingeschossen“ wurden sehr! Post-its sind entstanden, weil jemand die Idee hatte, dass man vielleixht aus dem Produktionsfehler‘- die kleben ja gar nicht – was anderes machen könnte. Das ist dir wunderbar gelungen: das aufnehmen, was gerade da ist und damit etwas ausprobieren. Es größer oder kleiner machen oder in einen anderen Zusammenhang stellen. Ich glaube, sobald jemand das wirklich begriffen hat, gehören „Schreibblockaden“ der Vergangenheit an … Also: Dranbleiben 😉

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    1. Liebe Jutta, herzlichen Dank für deine motivierenden Worte! Auf meinem Schreibtisch liegen auch Post -its. Wenn ich diese jetzt anschaue, haben sie eine Erinnerungsfunktion. Vielleicht halten (kleben) sie nicht, wenn ich sie befestigen möchte, aber wenn sie irgendwo abfallen erzeugen sie Bewegung. Und aus vermeintlichem „Abfall“ kann Neues entstehen. Cool!

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  4. Liebe Pauline aus dem Haus aus Papier,
    ich war schon länger nicht mehr hier und als ich dann kürzlich endlich wieder hier reinschneien wollte, um mich von deinen wunderbaren wortgebilden inspirieren zu lassen und nochmal in den vorsätzen zu baden, die ich ein paar Tage zuvor entdeckt hatte (leider keine Zeit dabei), ward ihr nicht da. Wahrscheinlich gerade auf dem Mond. Freut mich, dass ihr zurückgekommen seid, noch dazu mit dieser zauberhaften Monderzählung. Das Bild hat mich übrigens auch erfreut (und die dazugehörige Vorstellung, wie du es gemacht hast). Jedenfalls freue ich mich, dass ihr wieder da seid – in welcher Verfassung auch immer – und schaue jetzt noch mal nach den Vorsätzen. Da war irgendetwas dabei mit „Anstoß erregen“, was mich immer noch beschäftigt. Sehen wir uns gleich da?
    Liebe Grüße
    Susanne

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