Achtung! Jetzt wird’s langweilig!

Was ist überhaupt Langeweile? Mit dieser Frage (unter anderen Fragen) beschäftigt sich der/das Blog von Susanne Plume: Leergut und Langeweile. Was ist Langeweile? Was ist Muße? Diese Fragen interessieren mich sehr. Ich wollte meine Gedanken dazu nicht auf ihre Seite schreiben, weil ich die Form eines Kommentars gesprengt hätte, mit meinen Überlegungen. Ich folge ihren Einträgen mit vielen Gefühlen, aber eben nicht mit Langeweile. Die Verweise auf wissenschaftliche Belege, regen mich oft auf. Im positiven Sinne. Manchmal denke ich, dass ich Wissenschaften an sich, nicht leiden kann. Das ist immer dann der Fall, wenn ich mich in ihnen nicht wiederfinde. Ist es überhaupt möglich an Hand der Gehirnforschung das Phänomen der Langeweile zu erklären? Prägen nicht die unterschiedlichsten Erlebnisse das individuelle Gehirn und machen deshalb ein gleichgetaktetes Erleben unmöglich? Und eine weitere Überlegung: Sind Wissenschaftler nicht oft jene Menschen, die sich über den Forschungsstand dieser Zeit aufregen und daraus die Motivation entwickeln, neues Wissen zu schaffen?

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Fragen, Fragen, Fragen

Zurück zu Susannes Blog. Seitdem ich mich mit ihrem Blog befasse, beobachte ich mich in Phasen der Langeweile genauer.

Ich muss gestehen, dass ich selten Phasen erlebe, die ich als Langeweile bezeichnen würde. Zwar kommt mein Alltag schon mal langweilig daher, aber die Verbindung dieses Wortes zu meinem Erleben, stellt sich selten ein. Meist tauchen in Zeiten der vermeintlichen Entspannung sehr viele unterschiedliche Gedanken in meinem Kopf auf. Und was geschieht jetzt? Jetzt, wo ich diesen „Langeweile-Phasen“ mehr Beachtung schenke?

Verändert sich nicht die Langeweile (was auch immer dieses Wort bedeuten mag) alleine dadurch, dass ihr Aufmerksamkeit geschenkt wird und man sie beobachtet? Ein Paradox?

Welchen vermeintlichen Langeweile-Phasen ich bisher Aufmerksamkeit schenkte:

Die erste Phase, war eine Art des angenehmen, warmen Nichtstuns, die meine Gedanken fröhlich in ein Cabrio setzte, in dem ich neue Orte entdeckte. Oder auch alte Orte, aber an diesen Orten kleine Dinge, die ich zuvor nicht sah. Diese inspirierende Langeweile – trägt sie den Zweitnamen der Muße? Ehrlich gesagt verbinde ich mit dem Wort Muße, eine eher langsame, nahezu faule, genüssliche Zeit. Das entspricht jedoch nicht meinem Erleben im Cabrio, in dem ich meine Gedanken als quirlig, sprunghaft, neugierig und beflügelt (naja, auf das Cabrio bezogen eher „in Geschwindigkeit“) wahrnahm. Diese Phase war wie eine schöpferische Quelle, die mich ins Schreiben, Fotografieren, etc. brachte. Wie nennt sich das? Inspiration? Inkubation?

Die nächste lange Weile, die mich überkam, war eine ganz andere. Plötzlich wusste ich, was Susanne meinte, als sie schrieb, dass in der Langeweile ein Zuviel der Aktivität entsteht: mir ging zu viel durch den Kopf. Aber in diesem Fall nicht in Form von Bildern, nein, in Form von Emotionen. Genauer gesagt in diesem, einen Fall, von einem Bündel an Emotionen, die für mich im Nachhinein betrachtet, die Vorstufe von Wut darstellen. Gereiztheit, Hektik, Genervt-Sein. Ich erlebte eine innere Hektik, obwohl im Außen nichts passierte. Gleichzeitig die Frage: Was macht mich gerade sauer? Das Gefühl war vorhanden, doch der Verstand konnte es (noch) nicht fassen. Das Gefühl hat es sich dann noch für den Rest des Tages im Hintergrund, auf meiner inneren Couch gemütlich gemacht. Bis zum Abend. Irgendwie schien es sich nachts, als ich schlief, dann neu zu sortieren. Direkt nach dem Aufwachen, erlebte ich eine ausgesprochene Klarheit. Damit einhergehend: Wut.

Wut ist ein großartiger Motor, weil ich durch die Klarheit plötzlich weiß, wie ich handeln- und mit wem ich ins Gespräch gehen möchte. Kennt das Jemand auch so, das beim Aufstehen eine Klarheit und eine Wut vorhanden sind? Inwiefern ist eine „lange Weile“ der Katalysator für Handlung? In meinen beiden, bisher näher beobachteten Phasen, folgte etwas auf die Langeweile…

Langeweile ist echt aufregend…

Eis-Blog-Eintrag

Sie findet keine Axt für das gefrorene Meer in ihr, deshalb legt sie sich hinauf – mit dem Gesicht nach unten. Warme Luft haucht sie auf das Eis und poliert es mit ihrem Handschuh, so dass es ihre Nase spiegelt. Doch durschauen, kann sie es nicht.

Enttäuscht steht sie auf und geht vorsichtig, fast tastend zum Ufer. Dort zieht sie ihre Schlittschuhe an. Sie gleitet auf dem gefrorenen Meer dahin, in klirrender, silber-glänzender Kälte. Die Stille schmiegt sich sanft an ihre vom Wind geröteten Wangen und der Nebel umgibt ihre Bewegungen, als würde er einen Traum retuschieren.

Vielleicht erkennt jemand dort unten die Melodie ihres gleitenden Tanzes und entdeckt eine rhythmische Neugier, welche die Welten zu verbinden vermag?

Nähe hat viele Formen.

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Schreibübung: Wer hat Lust auf eine schöne Woche?

Es ist Zeit für eine Schreibübung! Wer hat Lust auf eine schöne Woche, auf einen angenehmen Wochenstart?

Die Schreibübung geht folgendmaßen: Du notierst kurz in einem, oder zwei Wörtern, was dich heute zum Lächeln gebracht hat. Dies wiederholst du nach Belieben in den nächsten Tagen bis Freitag und dann kann anhand dieser Notizen ein kleiner Text- ein 3 Minuten Fragment entstehen.

Was ist ein 3 Minuten Fragment: du stellst dir einen Wecker auf drei Minuten. Dann schaust du dir deine Notizen an und schreibst drauflos. Einen kurzen Text, indem es nicht um Bewertung geht, sondern darum, spontan und mit Freude, diese Notizen miteinander zu verbinden. Findest du zunächst keinen Texteinstieg, dann kannst du ihn auch mit der Notiz beginnen. So könnte am Anfang z.B. „Kinderlachen“ stehen. Schon ist ein Anfang gemacht. Ich beginne manche Texte auch einfach mit bla, bla und schreibe dieses „bla“ so lange, bis etwas Anderes entsteht.

Wenn du magst, kannst du deinen Text bei mir als Kommentar posten, oder auf deinem Blog posten und mich dann verlinken. Ganz, wie du willst!

Ich bin gespannt darauf, ob jemand mitmachen mag! Meinen Text werde ich am Freitag einstellen. Rückfragen an mich- jederzeit gern!

Eine schöne Woche wünscht das Haus aus Papier.

 

 

Bewusstlos tanzen

Ich habe mir meinen eigenen Vorsatz „den Rahmen der Konvention abhängen“ zu Herzen genommen. Heute hatte ich ein Date. Eine Verabredung mit mir selbst. Auslöser war ein Video bei Youtube, das ich entdeckt habe. Ich weiß nicht, wer von euch schon einmal in einem Chor oder in einer A-Capella-Band gesungen hat. Ich durfte beide Erfahrungen machen. Sie sind ein Teil meines Herzens und dieses Lied habe ich auch einmal gesungen. Ich habe es erlebt, wie es sich anfühlt, in einem Klangteppich zu schweben. Bei dieser Erinnerung bekommt das Haus aus Papier Flügel.

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Und es tanzt. Bewusstlos. Hingabe an den Moment. Wenn du in einer Gruppe singst, dann erlebst du Folgendes:

Du hörst deine Stimme vielleicht nicht. Aber sie ist da! Sie wird von den Anderen getragen. Alleine bei der Erinnerung berührt der Rhythmus meine Füße. Sie wehren sich kurz, um sich ihm später hinzugeben. Es ist weit nach Mitternacht und ich tanze mit Kopfhörern, damit meine Nachbarn nicht die Polizei rufen, durch meine Wohnung. Dieses Lied zu dem ich tanze, haben wir auch gesungen. Da sind Laute und Klänge, die sich Richtung Herz bewegen. Zu der Zeit, als ich noch Schülerin und im Schulchor war, schrieb ein Lehrer in mein Poesiealbum „Wenn alle nur die erste Geige spielen wollten, dann gäbe es nie ein Orchester.“  Zu dieser Zeit war ich ziemlich schüchtern. Ich spielte nicht die erste Geige, aber ich brachte eine schimmernde Farbe in den Klangteppich.

 

Schnöde Öde

Sind Dorfdeppen verblödet?

Oder sind sie nur ver- ÖDE-t?

Wer misst den Verstand

im Niemandsland?

Wer rutscht wem über den Buckel

in Pusemukkl?

Wer liest den Kaffeesatz im Kaff-Café?

Wer schwimmt in Hinterdupfingen im See?

Gibt es in der Wallachei

Wallache und Haie?

Oder Ponys und Delphine?

Ich schicke meine Gedanken (weniger gescheite)

in die weltvernetzte Weite.

Wenn sich die Synapse(l)n verkapseln

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Bilderrätsel vom Haus aus Papier: Welches Wort setzt sich hier zusammen? Auflösung am Ende des Blogeintrags.

Ab jetzt gilt´s. Dies waren die Worte des Dozenten. Von Januar bis Ende März ist es die Aufgabe der Student*innen des Biografischen und kreativen Schreibens, einmal pro Woche einen Blogeintrag zu erstellen. Ich startete bereits etwas früher und habe spielerisch und mit Freude begonnen Jenes zu posten, was mir durch den Kopf wanderte. Lustvoll und wertfrei. Doch dann kamen diese Worte: Ab jetzt gilt`s. Das Ende der Freiheit. Der Neujahrsbeitrag war schnell geschrieben. Aber dann …

Es bauten sich in den letzten Tagen aus Zweifeln und Druck Straßen in meine Gedankenwelt. Auf der Suche nach Hilfe habe ich andere Blogs durchstöbert. Auf dem Blog von Jutta Reichelt habe ich den Artikel 5 Fragen zu deinem Talent gefunden, der mir dabei half, diese Straßen wieder zu verlassen und inspiriert vom Gelesenen, folgenden Text zu verfassen:

Als ich das Haus aus Papier auf den Mond geschossen habe

Die meiste Zeit mag ich das Haus aus Papier. Wenn ich dort bin, gibt es viele Möglichkeiten, so viele Blätter, die ich beschreiben kann. Es gibt Stifte in den buntesten Formen und Farben. Meistens schreibe ich jedoch mit meinem Füller. Ich mag es, wie er sanft über das Papier gleitet und einen blauen Fluss hinterlässt. Die Worte fließen und gurgeln, sprudeln oder tröpfeln aus ihm, direkt auf das Papier. Es entstehen Landschaften in royalblau. Manchmal entsteht ein vereinzelter Teich, eine Pfütze oder auch nur ein Regentropfen, der am Blatt aus Papier hinabperlt.

Doch plötzlich frage ich mich, wozu diese Landschaften entstehen sollen? Die Reinheit eines weißen Blatts strahlt eine Unschuld und eine ganz eigene Form von Eleganz aus. Beschmutze ich dieses Blatt nicht? Wie komme ich darauf, dass ich es gestalten kann? Es gibt unzählige, bekannte, wunderschöne Reiseziele. Wer benötigt die Spiegelung einer Pfütze? Auf einmal blendet das Weiß des Papiers mit seinem beißenden, grellen Licht so sehr, dass meine Augen brennen und die Tinte im Füller augenblicklich vertrocknet. Er fällt mir aus der Hand und verschwindet kullernd unter einer Seite. Ich sinke auf den Boden und starre ins weiße Nichts. Das Nichts starrt zurück. Lautlos, tonlos, penetrant. Die Wände des Hauses aus Papier scheinen auf mich zuzukommen. Das Atmen schmerzt. Ich bin unfähig mich zu bewegen. Ich schreie. Gedanklich schieße ich das Haus aus Papier auf den Mond.

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Doch da das Haus aus Papier ein Teil meiner Gedanken ist, finde auch ich mich dort oben wieder und werde überrascht: Auf dem Mond sind die gleichen Menschen, nein, dieselben Menschen, wie jene, die mir auf der Erde begegnet sind. Jede scheint sich selbst, eine andere Person oder eine Idee bereits einmal hierher verbannt zu haben. Das ist ein tröstlicher Gedanke. Ich betrachte mein Haus aus Papier von einer neuen Seite.

Alles Weitere steht auf einem anderen Blatt.

(Auflösung des Bilderrätsels: Schreibblockade)

 

Frohe neue Vor-Sätze

Vor-Sätze für das Jahr 2016

  • Die Freude an Nach-Sätzen bejubeln.
  • Loslassen, Fallenlassen und gelassen Dinge verpassen.
  • Den Rahmen der Konvention abhängen.
  • Bei mir bleiben, Halt verlieren, träumen, spielen, phantasieren!
  • Auf Umwegen und Irrwegen hüpfen und hopsen.
  • Mit Zweifeln die Welt fegen und Anstoß erregen.
  • Dämonen mit Mohnkuchen belohnen.
  • Neue Formen finden:

Frohes neues Jahr!